Um der Sommerhitze in der Stadt zu entfliehen, fahren wir am Wochenende in den Kleinen Kaukasus, in die Region Samzche-Dschawachetien. Dort gibt es auf ca. 2000 m eine Hochebene mit zahlreichen Seen, umgeben von alten Vulkankegeln und erloschenen Vulkanen. Hier liegt auch der größte See Georgiens, der Paravani-See.
Die vielen Seen und Feuchtgebiete sind ein perfekter Lebensraum für Störche. Auf fast jedem Strommast in den Dörfern und der Bezirkshauptstadt Ninotsminda stehen sie bei der Brutpflege und erfreuen uns mit ihrem Schnabelklappern.
Immer noch sieht man traditionelle Häuser, die teilweise in der Erde eingegraben sind und sich unter dem von Gras bewachsenen Dach ducken. Heute werden diese „Hobbithäuser“ vor allem als Kuh- und Schafställe genutzt. Der Kuhdung, ordentlich aufgestapelt und vor den Häusern wie Feuerholz gelagert, dient im Winter als Brennmaterial. Der Großteil der Bevölkerung kommt aus Armenien, manche auch aus Russland, wie zum Beispiel die Nachkommen einer russischen religiösen Sekte, den Duchoborzen, die zwar mehrheitlich zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach Kanada auswanderten, aber deren Holzhäuser mit ihren kunstvoll verzierten Veranden noch an diese pazifistische Gemeinschaft erinnern. Zu gern hätten wir in Gorelovka das von ihnen begründete, gut renovierte ehemalige Gemeindehaus angesehen, jedoch war das Tor zum Grundstück verriegelt und wir konnten leider niemand finden, der uns geöffnete hätte.

In der Region sind viele Legenden und Geheimnisse zuhause, unter anderem die Geschichte der Heiligen Nino, die hier im 4. Jahrhundert in Poka an die Ufer des Paravani-Sees gekommen sein soll, was anschließend zur Christianisierung des Landes führte. An der Stelle, an der Nino ein Weinrebenkreuz errichtet habe, steht seit dem 11. Jahrhundert ein Nonnenkloster. Heute sind die Nonnen sehr geschäftstüchtig und umtriebig. Auf ihrem wunderschönen, an traditionelle Bauweise erinnernden Klostergebäude gibt es einen sehr gut sortierten Laden mit zahlreichen Produkten aus eigener Herstellung. Besonders den leckeren Käse können wir sehr empfehlen.
Über viele Jahrhunderte war hier ein reger genutzter Handelsweg. Die verbliebenen Reste von alten Karawansereien könnten vermutlich viele Geschichten erzählen. Auch mittelalterliche Grabstätten mit ihren Grabsteinen in Form von Widdern und Pferden zeugen von Reichtum und beeindruckenden Traditionen. Heute ist das Leben der Menschen einfach und wirtschaftlich beschwerlich.

Der vor wenigen Jahren gegründete Javakheti-Nationalpark soll Tourismus in die Gegend bringen. Wir erfreuen uns an dem Artenreichtum der bunten Sommerwiesen, finden die nur hier wachsenden Kaukasus-Gladiolen, folgen den gut ausgeschilderten Wanderwegen und kommen zu gut platzierten Vogelbeobachtungsplätze, wo uns die Artenvielfalt der hier lebenden Wasservögel beeindruckt.

Von Seen, Störchen, Grasdächern

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